Michael Klenk

Taubenstrasse 28
74545 Michelfeld



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Biografie


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Delikatesse und Demut
Gedanken zum Werk von Michael Klenk

Es kann sehr lange dauern, bis Michael Klenk ein Bild vollendet
hat. Über Wochen und Monate, auch Jahre arbeitet er manchmal
an seinen Bildern, seriell, parallel. Sie entstehen in konzentrierten
Zwiegesprächen des Künstlers mit der Leinwand, ausgehend von
ersten Spuren und Chiffrenfragmenten, die er der Leinwand hinwirft
und die sich nun, begleitet von ihm, ihre Ordnungen und Strukturen
suchen. "Ein Bild ist ein eigenständiges Gewächs" meint Klenk.
In seiner Arbeit gibt er nicht vor, sondern er horcht und antwortet.
Er ist nicht Inszenator sondern Moderator seiner Farben, Spuren und
Zahlen. Nicht er braucht das Bild, das Bild braucht ihn. Es gibt keine
Ruhe, bis es unter seiner Hand seine Fügung, seinen Klang gefunden
hat.
Das gestalterische Instrumentarium des Künstlers ist konzentriert.
Er beschränkt sich häufig auf eine zurückhaltende Farbigkeit und
ein wiederkehrendes Repertoire von Ausdrucksformeln und Zeichen,
Buchstaben, Wortfragmenten, Gesten. Der Kanon seiner malerischen
Gesten ist reich: heftig und brutal, verletzlich, fein, laut und
dominant und zurückhaltend, abwartend.
Dadurch erhält sein Werk eine ungeheure malerische Vielfältigkeit:
Sie reicht von fein lasierten Flächen, die den hellen Untergrund wie
Licht durchbrechen lassen, bis zu energischen Farbspuren, die auf
dem delikaten Untergrund wie Lachen aber auch wie Verletzungen
wirken können.
Klenks Bilder sprühen vor Leidenschaft und Lebendigkeit: Farben auf
Glanzfolie, Tänze von Zahlen und Linien; Reigen von Flecken und
Flächen in weiten, tiefen Bildräumen. Klenk bezeichnet sich als
"Schönheitsanhänger". Er sagt: "Ein Bild muss schön sein, prächtig.
Es muss verzaubern." Freimütig bekennt er seine Liebe zur Kunst der
Romantik, zur Märchenkunst der Präraffaeliten, Arnold Böcklins und
Anselm Feuerbachs. Er kann sich begeistern für die Feinheit der
Darstellung von Körper und Haut im Barock. (Haut, Empfindsamkeit,
Verletzlichkeit: Worte, die Klenk verwendet, wenn er über seine
Leinwand spricht.)

Tobias Wall, Juni 2009



Michael Klenk – 35 Jahre Ausstellungen in Gaildorf

Sehr geehrte Ausstellungsbesucher,  lieber Michael!
Vielen Dank an dich und die Betreiber der Galerie für die Einladung, hier zur Eröffnung sprechen zu dürfen – das ist Rundum etwas Besonderes für mich. Einmal weil das Gaildorfer Schloss mit den Galerie-Räumen einen wunderbaren Rahmen bietet, dann weil ich das Engagement der  Interessengemeinschaft Kunst für regionale und überregionale Kunst schätze. Aber vor allem natürlich, weil es heute um die Kunst von Michael Klenk geht.
Wir haben schon gehört, dass der Ort für seine Biografie von Bedeutung ist – als Schulstadt und seit 35 Jahren als Ausstellungsort.
Zur Erinnerung an die früheren drei Ausstellungen 1978, 1981 und 1999 finden Sie die jeweiligen Ausstellungsplakate im Eingangsbereich der Galerie. Die Ausstellung heute stellt eine Art Retrospektive anhand von Bildern aus den vergangenen 35 Jahren dar, kombiniert mit ganz neuen Werken.
Gerne erinnert sich der Künstler v.a. an seine erste Ausstellung in Gaildorf: die große Resonanz und Anerkennung seiner Werke bestätigten ihn, damals noch Student, darin, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Das klassische Thema „Akt“ ließ für  die Betrachter damals den Bezug zum Studium an der Kunstakademie Stuttgart, bzw. Karlsruhe  herstellen. Diese figürliche Malerei machte aber schon klar, dass Michael Klenk den akademischen  Ansatz erweiterte und damit eine eigenständige Position in der Malerei anstrebte.
Folgerichtig präsentierte er in der zweiten  Ausstellung einige Jahre später freiere Arbeiten: die Bildmotive, noch immer Körperumrisse, auch Körperfragmente wie Füße, Hände, Köpfe  wurden akzentuiert mit „heftiger Malerei“, das Gestische, der spontane Mal-Akt bemächtigte sich der Figuren und des Bildraums – bestimmt wurde das kontrovers diskutiert!
In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurde Michael Klenk zu einer „Institution“ der regionalen Kunstszene: mit der Gründung der Haller Akademie der Künste, mit zahlreichen Veranstaltungen zu Kunst und Kultur und Musik (=> siehe Vortragsreihe zu Richard Wagner in der Akademie).
Sein Werdegang als Maler seit den 80er Jahren lässt sich so beschreiben:   schrittweise befreite sich der Künstler vom Gegenständlichen zum Abstrakten. „Sich befreien“ heißt dabei nicht, die Errungenschaften über Bord zu werfen, sondern sie sich zunutze zu machen für eine reine Malerei, die auch ohne Motiv auskommt.
Seine Formate wurden größer, der Umgang mit dem Material intensivierte sich: Farbe durfte fließen, wurde in Schichten übereinandergelegt und mit grafischen Elementen bereichert.
Mit der Technik der Collage erweiterte der Künstler die Fläche in den Raum hinein:  mit aufgeklebten glatten Papieren, auch Fotokopien von Fotos, schließlich  geknüllten Papieren entstanden plastische Material-Bilder. Aber es waren immer noch Bilder, in denen das Element „Malerei“ die Oberhand behält. Dies erzielte er mit einem breiten  Repertoire an malerischen Effekten: Lackfarbe, glatt und glänzend, auch schlierig und laufend, wurde kombiniert mit stumpfen, kreidigen Partien.
In den mitunter sehr großen Formaten dominierte die Farbe Weiß – wobei man mit diesem einen Begriff nicht der breiten Palette von Weiß-Tönen und –Schattierungen gerecht wird. Mit unzähligen Valeurs  eröffnete Michael Klenk tiefe Bildräume, die eine delikate Wirkung entfalten – wenn man sich als Betrachter darauf einlässt. Je nach Werkphase wurden diese Bildräume mit grafischen Kürzeln besetzt: unsere Seh-Erwartung  lässt uns Schriftzüge erkennen, wo spiralförmige Schwünge aneinandergesetzt wurden – aber natürlich wurden keine Worte geschrieben.
Schon immer befanden sich in den Bildern auch Ziffern – nämlich das Entstehungsdatum, das  bei Klenk zugleich den Bildtitel darstellt. Dieses grafische Element – geradezu  linkisch gezeichnet - übernahm dann quasi die Rolle des Motivs:  die Ziffern wurden größer, sie traten mal gereiht, mal schwungvoll gesetzt auf. Sie torkeln und kippen und sie ergeben nach unseren rational ausgerichteten Maßstäben keinen Sinn.  Wenn wir als Betrachter es schaffen, diese Maßstäbe auszublenden, gelangen wir dahin, die formalen Qualitäten der Bilder zu ergründen. Wir erkennen dann, dass Klenk es schafft,  die Mittel der Kunst – Farbe, Linie, Form fein auszutarieren. So hat er sich in kontinuierlicher Arbeit eine markante Handschrift angeeignet: seine abstrakten Werke sind strukturiert und folgen einem Ordnungssystem, ohne dass eine strenge Systematik sie erstarren ließe. Nein, ganz im Gegenteil: die mal heftigen, mal zurückhaltenden Gesten wirken  spontan und zufällig, erweisen sich dann aber als äußerst gekonnte künstlerische Strategie.
Ich möchte den Maler Michael Klenk vergleichen mit einem Zauberer: wir sind verblüfft darüber, dass er die rational verinnerlichten Naturgesetze überwindet. Wir wissen natürlich, dass nicht Magie mit im Spiel ist. Aber die perfekten Tricks durchschauen wir doch selten und staunen über die Effekte.
So ist es auch bei Klenks abstrakter Malerei: wir können uns mit dem Endprodukt auseinandersetzten – für ihn bedeutet jedes Bild wieder die Herausforderung, den eigenen Gesetzen gerecht zu werden. Um im Zauberer-Bild zu bleiben: die Tricks so zu beherrschen, dass aus den formalen Mitteln ein gutes Bild wird.
Bis hierhin waren meine Ausführungen retrospektiv, das heißt ich habe über Bilder und Werkgruppen und meine Eindrücke von der zurückliegenden künstlerischen Wegstrecke von Michael Klenk gesprochen. Nun möchte ich mich dem jüngsten Werkkomplex widmen, dem Sie gleich anschließend in den Ausstellungsräumen begegnen können.
Diese Bilder, es sind vor allem kleine Formate, machen einmal mehr deutlich: Kontinuität ist das Prinzip seines Schaffens. Fast organisch entwickelt der Künstler seine Bildgedanken weiter. Dabei habe ich den Begriff „organisch“ bewusst gewählt: er beinhaltet, dass ein Bauplan schon vorhanden ist, aber eben im Wachsen, im Reifen erst sich vollendet. Nicht das zielgerichtete Suchen stellt bei Klenk den kreativen Akt dar, sondern dass er das Finden zulässt.
Was hat er also gefunden, was lässt er gelten nach seinen eigenen strengen Maßstäben? – Denn Leichtfertigkeit und Willkür können wir als Vokabeln verbannen, wenn es um die Kunst von Michael Klenk geht.
Da ist zunächst zu reden von den Bildgründen: Silber- und buntfarbige  Glanzpapiere  stellen seit einigen Jahren als Hintergrundfolie eine besondere Herausforderung dar, denn das spiegelnde Material hat eine starke ästhetische Präsenz. Schon ohne künstlerische Zutat entstehen durch Farben und Formen, Licht und Schatten der Umgebung „Bilder“ auf der Fläche.  
Die  malerische Bearbeitung muss dem etwas entgegensetzen – ich schildere mal, mit welchen Mitteln Klenk das gelingt: 
Farbknäuel mit unregelmäßigen Konturen  erinnern an mal an Wolken, mal an Quallen oder Blumen. Die floralen Anklänge entstehen vor allem dann, wenn die „Blüten“ auf zarten Stängeln  balancieren, die vom unteren Bildrand her aufragen. So konkret sind aber nur wenige Blätter. Überwiegend begegnen uns Flecken, runde oder ovale Formen die als Häufen im Bild „organisiert“ wurden. Das heißt, es ist eine Art Magnetismus spürbar, der sie aneinander bindet, sie in einen Fluss bringt, manchmal an den Bildrand drängt. Mitunter werden sie paarweise oder in Reihen angeordnet.
Klenk kombiniert dieses „System“ mit  heftigen Pinselbewegungen auf der Fläche, mit Gesten und grafischen Setzungen, deren Dynamik über den Bildrand hinaus reichen.
Am interessantesten finde ich aber die Binnenstruktur der Farbpfützen und Farbwolken. Das flüssige Malmaterial bietet unterschiedliche Möglichkeiten. Farben können sich mischen, ineinander fließen, aneinander grenzen. Diese Grenzbereiche sind ganz sensible Stellen. Entweder gibt es ganz zarte Übergänge oder – bedingt durch den Trocknungsprozess – exakte Konturen in Form von feinen Linien. Vielleicht sind auch Assoziationen aus der Biologie angebracht: Zellen, Zellkerne, Membrane und das Diffundieren von Stoffen kommen mir bei einigen Bildern in den Sinn. Mitunter verflüchtigt sich Farbe: wie unter dem Einsatz von Säure entstehen schwammige oder gewebeartige Strukturen.
Schon ist die Chemie nicht weit und nachdem ich eben den Künstler mit einem Zauberer verglichen habe, wage ich einen weiteren Brückenschlag: sein Schaffen erscheint mir mitunter wie das eines Alchimisten, der ja auch Stoffe  mit ganz viel Wissen und Erfahrung mischt,  aber auch bereit ist,  dem Zufall Raum zu gewähren.
Was in diesem „Labor der Kunst“ entstanden ist, kann nur unzulänglich mit Worten beschrieben werden und es bleibt Ihnen überlassen, liebe Besucher, die Klenk’sche Schönheit der Malerei aufzuspüren - eine der Malerei eigene Schönheit, die nicht von konkret benennbaren Inhalten abhängig ist. 

In diesem Sinne möchte ich zum Schluss den großartigen Maler Max Beckmann zitieren, der zwar keine abstrakte Kunst machte,  aber auch ein mitunter hermetisches Zeichensystem entwickelte [Zitat]: „Ich finde, es ist höchste Zeit, endlich einmal Schluss zu machen mit den „Ismen“, und dem Beschauer es zu überlassen, ein Bild schön, schlecht oder langweilig zu finden. Nicht mit den Ohren sollt Ihr sehen, sondern mit den Augen.“ Und weiter: „Also genieße, genieße! Erlebe! Nimm Anteil, korrespondiere mit dem Bild entsprechend deiner Entwicklungsgeschichte!“ (Zitiert nach Stephan Reimertz, Max Beckmann, rororo Monografie, 2001, S. 15)
[Zitatende] und damit – endlich – Anfang der Ausstellung!

Claudia Scheller-Schach M.A.
Eröffnung der Ausstellung im Alten Schloss Gaildorf
29. September 2013




MICHAEL KLENK – MALEREI

Meine sehr geehrten Damen und Herren, lieber Michael!
Sehr gerne habe ich vor einigen Monaten zugesagt, bei der Eröffnung dieser Ausstellung zu sprechen und freue mich, heute hier zu sein.
Ich kenne Michael Klenk und seine Bilder schon eine Zeitlang und beobachte gespannt wo die Reise in der Werkentwicklung hingeht: denn der Künstler ist ein sehr dynamischer Mensch, sein Werk ist gekennzeichnet von organischen, also allmählich wachsenden Veränderungen, manchmal auch Umbrüchen.
So ist es jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung, seine Handschrift doch wiederzuerkennen und ich will versuchen das für Sie, liebe Besucher ein bisschen herauszuarbeiten. 
In einer Einführung vor einigen Jahren habe ich das Bild der Spirale verwendet, um das Kreisen, das sich Entfernen und wieder Annähern an eine Mitte zu veranschaulichen und weil die spiraligen Linien in den Bildern selber eine große Rolle spielten. Diese Analogie möchte ich heute nicht bemühen, aber ich sehe doch in diesen sehr frischen, in jüngster Zeit entstandenen Werken, wieder ganz typische Merkmale seiner Malerei: es handelt sich um abstrakte Kunst, das scheinbar zufällige, willkürliche der Formen erweist sich in der Gesamtschau als Prinzip: der spontane gestische Ausdruck vermittelt den Prozess des Malens einerseits, die wiederkehrenden Strukturen und ähnlichen Kompositionen künden von Gesetzmäßigkeiten.
Bevor ich etwas näher auf die hier ausgestellten Bilder und das künstlerische Schaffen von Michael Klenk eingehe, möchte ich einige Worte über ihn selbst verlieren: Kunst studierte er – nach dem Abschluss in Betriebswirtschaft – an den Akademien in Karlsruhe, Stuttgart und in Rom; später kam noch ein Studium für Kunsterziehung hinzu – als Kunsterzieher unterrichtet er an einem Gymnasium. Dort und an der Akademie der Künste, die er 1990 in Schwäbisch Hall gründete, frönt Michael Klenk einer seiner Leidenschaften: er ist ein begnadeter Kunstvermittler, bringt junge und andere Kunstinteressierte die Praxis des Zeichnens und Malens näher und die Studenten mit Berufsorientierung „Kunst“ auf den Weg.
Als Kunsthistoriker ist er in der Theorie ebenso zu Hause und begeistert in jedem Semester mit Vorträgen und Führungen die Studenten der Akademie und das Haller Publikum. In der Kunstszene in und um Schwäbisch Hall ist er seit vielen Jahren, ja Jahrzehnten Impulsgeber was thematische Ausstellungen und Kunstaktionen betrifft – kurz: bei uns stellt er eine „Institution“ dar. 
Heute und hier ist aber zu reden von Michael Klenk als Künstler. Mit der Ausstellung im Kunstverein Damianstor lernen Sie, liebe Besucher, vor allem die jüngst entstandenen Arbeiten des Malers kennen: es sind v.a. kleine Formate auf Glanzfolie, außerdem zwei größere Gemälde….
Ich selber kenne diese Zusammenstellung und viele der Werke  erst seit kurzem –  der Künstler übrigens auch – denn er bestückt seine Ausstellungen immer gerne mit den gerade aktuellen Arbeiten bzw. frisch entstandenen Bildern, die auch für ihn überraschend sein können.
Eine neue Entdeckung für mich sind nun die in einigen Bildern auszumachenden Formen, die gegenständlich anmuten: Florales, Strukturen, die an Stengel, Blüten und Blumen erinnern. Wir dürfen aber wohl bei diesem Künstler kein botanisches Interesse oder gar eine romantische Anwandlung vermuten. Äußere Eindrücke und Erlebnisse mögen auf das kreative Schaffen Einfluss nehmen und Anlass sein für neue Winkelzüge. „Sich neu zu erfinden“ – ich kann nicht widerstehen diese modische Wendung zu verwenden – ist aber die Sache des Künstlers nicht. Und bestätigt sehe ich mich auch darin, dass diese neuen Arbeiten auch die typisch Klenk’schen Kringel und Krakel zeigen, die wie Schriftzüge erscheinen.
Einige Blätter aus dem letzten Jahr – zwei sind auf der Einladungskarte zu sehen -  hatte mir der Künstler in einer Besprechung für diese Ausstellungseröffnung gezeigt. Wir trafen uns in einer  Art Ladengeschäft, das dem Künstler als Depot dient und zugleich mit seinen Schaufenstern dem Passanten Einblick in das Schaffen eines zeitgenössischen Malers bietet: dort liegen seine Kataloge aus – eine beachtliche Zahl inzwischen -  Prospekte und Plakate verweisen auf die kurz bevorstehenden Projekte.
An den Wänden hängen dicht an dicht auch Plakate, die von seinen Ausstellungen seit Jahren, ja Jahrzehnten, künden und gleichsam eine Rückschau auf die Werkentwicklung ermöglichen. Mit einigen Stichworten möchte ich für Sie diese Entwicklung skizzieren (in den ausliegenden Publikationen finden Sie das entsprechend Bildmaterial dazu).  Auch auf der Homepage der Galerie ist in der Ankündigung dieser Ausstellung ein „altes“ Bild von Michael Klenk zu finden – ein Rückenakt von 1985, der für seine Beschäftigung mit der menschlichen Figur steht. Aktmalerei bot ihm die Möglichkeit von der genauen Beobachtung von Proportionen, Volumen und Linienverläufen, aber auch der Oberflächenerscheinung ausgehend erst abbildend, gegenständlich zu arbeiten und sich dann davon schrittweise zu befreien. „Sich befreien“ ist ein gutes Schlagwort für die Arbeitsweise von Michael Klenk: immer erarbeitet er Themen in ganzen Serien, erobert sich thematische und technische Terrains, die ihm von der Kunstgeschichte her bekannt sind – zum Beispiel auch das Selbstporträt oder das Verfahren der Collage. In diesen Terrains macht er dann  eigene und neue Erfahrungen, entfernt sich wieder davon und entwickelt quasi organisch daraus die nächste Werkgruppe. So entstand aus der Aktmalerei das Interesse für Körperfragmente – Füße, Hände, Köpfe – quasi als Chiffren für die menschliche Figur. Mitte der 90er Jahre verschwindet der Mensch aus der Bildwelt. In zunächst weißen, dann schwarzen Bildern konzentriert sich der Künstler mehr auf die Materialsprache: Lackfarbe, glatt und glänzend, auch schlierig und laufend wird mit Papier -  geschnitten, gerissen, geknüllt -  kombiniert.
Dann besetzten wieder Chiffren, Zeichen  die inzwischen sehr großen Tafeln: das zeichnerische, grafische kehrte zurück. Aber es waren keine Körper oder Körperteile, es sind Zahlen, bzw. Ziffern. Schon immer waren sie im Bild als Teil seiner Signatur, bzw. als Titel vorhanden: es handelt sich schlicht um das Datum der Fertigstellung des jeweiligen Bildes. Sie stellten somit selber das Bildmotiv dar. Dabei erscheinen sie einerseits so beiläufig im  Bildraum, wie zufällige  Spuren eines unbewussten Tuns, dass ihre Bedeutsamkeit sich wieder relativiert; andererseits ist die „Handschrift“ des Künstlers so markant, dass sie doch zum bildbeherrschenden Element werden. Mit diesen „einerseits“-„andererseits“-Formulierungen, meine Damen und Herren, mit diesen Gegensatzpaaren wie „zufällig“ und „gesetzt“ versuche ich, mich rhetorisch der künstlerischen Sprache anzunähern und indem ich damit doch im Vagen bleiben muss, gerade den Reiz der Malerei von Michael Klenk anklingen zu lassen.
In der Ausstellung hier finden wir zwei  neue Bilder, es sind die beiden großen Formate, die mit großen Buchstaben „Handschrift“ im wahrsten Sinne des Wortes erkennen lassen. Versuchen Sie aber nicht, Wörter zu entziffern, gar einen sprachlich vermittelten Inhalt herauszulesen – das funktioniert bei Klenk nicht. Sein Interesse gilt der grafischen Erscheinung von Buchstaben oder Zahlen.
Damit wollen wir uns – um nicht an den „Setzungen“, den gewollt-ungewollten grafischen Kürzeln – hängen zu bleiben – noch der Malfläche widmen. In großen Formaten widmete sich Michael Klenk eine Zeitlang intensiv der Farbe Weiß: delikat und mit Raffinesse fächerte er verschiedene „Weiße“ neben- und gerne auch in Schichten  übereinander. Er trug verdünnte Farbe auf, daneben erscheinen deckende Partien, Verschleierungen, mal kühl im Gesamteindruck, mal wärmer – wie Haut und als „Haut“ fasst Klenk seine Malgründe auch auf – obwohl die Aktmalerei in seinem Werk schon länger keine Rolle mehr spielt.
Zurück zur Farbigkeit: in letzter Zeit wird Farbe, nun im Sinne von verschiedenen, bunten Farben, zu einem wichtigen Bildmittel.
Damit möchte ich gerne noch einmal auf die kleinen Formate eingehen, die hier in diesem historischen, barocken Ambiente sehr gut ihre Wirkung entfalten.  Michael Klenk hat als Malgrund ein besonderes Material verwendet. Es handelt sich um beschichtetes Papier, das sowohl glatt und glänzend ist, daneben aber noch eine Oberflächenstruktur aufweist, wie man beim aktiven Betrachten erkennt. Mit Acryllack bemalt er dieses Glanzpapier – aber „malen“ ist ungenügend ausgedrückt: wenn Sie den verschiedenen Effekten auf den Blättern nachspüren, erkennen Sie, dass  Farbe fließen darf, Farbe wurde verdünnt, so dass sie sich im Trocknungsprozess an den Rändern verdichtet, im Zentrum verblasst. Der Farbauftrag erfolgt mal mit dem Pinsel oder auch direkt aus der Tube gedrückt, vielleicht werden im spontanen Malakt auch die Finger eingesetzt? Vehement erscheinen auch die Kratzspuren, die das Papier oder tieferliegende Farbflächen freilegen und auch mit Kreiden,  setzt der Künstler heftige Akzente: mal bleibt der Strich „trocken“, mal verflüssigt sich auch dieses Material.
Heftige Malerei ist das, auch im Hinblick auf den Einsatz der Farben: schillerndes Türkis, leuchtendes Gelb und Orange, Kombinationen von kräftigem Violett und Rot, daneben auch pastellige Töne.
Klenks Malerei ist lebendig und pulsierend, trotz aller Abstraktion und Vereinfachung, die er nach eigener Aussage anstrebt. Kühl und nüchtern kann auch keine Kunst sein, die so entsteht wie bei ihm: energiegeladen macht er sich an die Arbeit, gerne auch nachts, gerade auch in stressigen Zeiten. Das was dem flüchtigen Betrachter willkürlich erscheint und als zufälliger Effekt, die geschüttete, laufende Farbe, die vehement gekratzten Spuren, sind alles absichtlich unternommene Verfahren, um das Grafische mit dem Malerischen zu verbinden, um der Spontanität Raum zu geben und dennoch die Kontrolle über das entstehende Bild zu behalten.
Kreisförmige Bewegungen auf der Bildfläche, eine Art  Schwungübungen,  aus denen Kringel und spiralige Linienverläufe entstehen, diese Bewegungsmuster, die dem Schreiben verwandt sind, tragen immer wieder dazu bei, dass aus der abstrakten Linie „Schriftzüge“ erwachsen, aber auch hier – wie bei früheren Werkkomplexen – sollen das nur Kürzel, nur Chiffren sein.
Vielleicht ist das eine Art Konzept im Schaffen von Michael Klenk: möchte er mit Verkürzungen, mit Andeutungen eine Verdichtung  erzielen? Mir gegenüber sprach er neulich davon, dass  Einfachheit  seine Zielsetzung sei. 
In Vorbereitung auf die heutige Eröffnung  spekulierte ich in Gedanken  darüber, wie sich in diesem Sinne sein künstlerisches Schaffen wohl weiter entwickeln würde und vermutete, dass er vielleicht wieder zum Zeichnen zurückkehren würde. Da ihm aber gerade die Farbe so wichtig ist, wäre vielleicht eine interessante Mischung zu erwarten?
Was ich nun an neuesten Bildern zu sehen bekomme, nimmt eine auf den ersten Blick unerwartete Richtung ein. Auf den zweiten Blick jedoch bleibt er seinem Stil treu: So wie die Zahlen keine Zahlen im numerischen Sinne darstellen, sowenig die Buchstaben einen logischen Sinn, eine linguistische Bedeutung tragen, sowenig sind die floralen Formen Blumen im botanischen Sinne.
Eine solche Malerei fordert dem Betrachter einiges ab: wir sind aufgefordert, diese eigenen Gesetze, nach denen die Bildfläche gestaltet wird, zu erkennen. Wir sind aufgefordert, uns auf die nach subjektiven Kriterien eingesetzten Bildmittel einzulassen.
Belohnt werden wir dann mit einer Bildwelt, die vor Dynamik und Spannung strotzt und dabei in sich stimmig ist!

Ich danke Ihnen!

Claudia Scheller-Schach M.A.
Kunstverein „Das Damianstor“ Bruchsal e.V.
18.9.- 16.10.2011


 










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