Michael Klenk

Taubenstrasse 28
74545 Michelfeld



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Delikatesse und Demut
Gedanken zum Werk von Michael Klenk


Es kann sehr lange dauern, bis Michael Klenk ein Bild vollendet
hat. Über Wochen und Monate, auch Jahre arbeitet er manchmal
an seinen Bildern, seriell, parallel. Sie entstehen in konzentrierten
Zwiegesprächen des Künstlers mit der Leinwand, ausgehend von
ersten Spuren und Chiffrenfragmenten, die er der Leinwand hinwirft
und die sich nun, begleitet von ihm, ihre Ordnungen und Strukturen
suchen. "Ein Bild ist ein eigenständiges Gewächs" meint Klenk.
In seiner Arbeit gibt er nicht vor, sondern er horcht und antwortet.
Er ist nicht Inszenator sondern Moderator seiner Farben, Spuren und
Zahlen. Nicht er braucht das Bild, das Bild braucht ihn. Es gibt keine
Ruhe, bis es unter seiner Hand seine Fügung, seinen Klang gefunden
hat.
Das gestalterische Instrumentarium des Künstlers ist konzentriert.
Er beschränkt sich häufig auf eine zurückhaltende Farbigkeit und
ein wiederkehrendes Repertoire von Ausdrucksformeln und Zeichen,
Buchstaben, Wortfragmenten, Gesten. Der Kanon seiner malerischen
Gesten ist reich: heftig und brutal, verletzlich, fein, laut und
dominant und zurückhaltend, abwartend.
Dadurch erhält sein Werk eine ungeheure malerische Vielfältigkeit:
Sie reicht von fein lasierten Flächen, die den hellen Untergrund wie
Licht durchbrechen lassen, bis zu energischen Farbspuren, die auf
dem delikaten Untergrund wie Lachen aber auch wie Verletzungen
wirken können.
Klenks Bilder sprühen vor Leidenschaft und Lebendigkeit: Farben auf
Glanzfolie, Tänze von Zahlen und Linien; Reigen von Flecken und
Flächen in weiten, tiefen Bildräumen. Klenk bezeichnet sich als
"Schönheitsanhänger". Er sagt: "Ein Bild muss schön sein, prächtig.
Es muss verzaubern." Freimütig bekennt er seine Liebe zur Kunst der
Romantik, zur Märchenkunst der Präraffaeliten, Arnold Böcklins und
Anselm Feuerbachs. Er kann sich begeistern für die Feinheit der
Darstellung von Körper und Haut im Barock. (Haut, Empfindsamkeit,
Verletzlichkeit: Worte, die Klenk verwendet, wenn er über seine
Leinwand spricht.)


Tobias Wall, Juni 2009